Kleinstadtkind

Tage wie diese.

Mit dem Kopf durch die Wand...

Ein Samstag, an dem man denkt, man kann doch nicht mehr normal sein, dieses Problem hat jeder sicherlich mal, zumindest dachte ich das bis zu diesem Zeitpunkt. Alles fing ganz harmlos an, nachdem ich mich um die Pferde gekümmert hatte, habe ich beschlossen auf den örtlichen Weihnachtsmarkt zu gehen, wie schon seit Wochen geplant. Ein paar Glühwein würden meine, zu dem Zeitpunkt eh schon nicht so gute Laune sicherlich aufbauen.
Wie sehr man sich doch irren kann. Ein Freund nennen wir ihn an dieser Stelle mal Basti, mit dem ich mich genau für diesen Tag verabredet hatte ließ mich mal wieder im Stich. Er ist so einer von der Fraktion Mann, die wirklich nett und zuvorkommend sind, aber wenn man sich verabredet, in 80 % der Fälle ein paar Stunden vorher absagen. Eigentlich war ich das gewohnt, ich kannte es ja kaum anders, dennoch war ich gekränkt, was meine Laune natürlich nicht weiter in den Himmel hob.
Es war circa 16 Uhr als ich alleine auf dem Markt aufschlug um Ausschau nach Leuten zu halten die ich kenne, auf einem Dorf wie unserem durchaus keine Seltenheit. Und so war es kein wunder das es kaum eine Stunde dauerte bis die ersten antrudelten und mit sichtlich besserer Laune als ich den Glühwein genossen. Ich gesellte mich zu ihnen, hier ein Schwätzchen dort ein Witz und auch die ersten Becher Glühwein verfehlten ihre Wirkung nicht, man sollte meinen er wäre dafür gemacht.
Die erneute Absage von Basti saß mir zu diesem Zeitpunkt immer noch sehr bitter im Nacken, so bitter, dass ich meine gute Freundin fast vergessen hätte, doch dann klingelte mein Handy. Anni meldete sich umgehend um die Planung des Abends, so wie sie nun mal war, vollkommen über den Haufen zu werfen. Denn so ist sie, dafür hasse ich und liebe ich sie. Ihre vollkommen lustige Art und Weise, meine gesamten Planungen durcheinander zu werfen. Ja so ist sie. Aber was will man schon nach 10 noch auf einem Weihnachtsmarkt, wo ich doch so oder so um 6 Uhr schon knapp 4 Glühweine im Rachen, nicht mehr so wirklich verlässlich bin, dennoch versprach ich ihr wenn ich Ines, eine unserer Freundinnen getroffen hatte mich bei ihr zu melden. Guter Vorsatz, schlecht Umsetzung, sei an diesem Punkt vermerkt, denn dies sollte gründlich in die Hose gehen, denn vorerst sollte mir Ines nicht über den Weg laufen. Es wurde voll auf dem Markt, bewegen war kaum noch möglich, also stand ich wie festgewurzelt bei denen die sich mehr oder minder darauf eingelassen hatten mit mir zu trinken, doch wer trinkt, der muss auch mal und so kam es dazu das Marius traf. Einen jungen Mann Anfang 30, den ich blind von meinem Vorhaben in der Tür zur nächsten Gaststätte fast umgerannt hätte. Die Blicke streiften sich nur kurz, ein Lächeln, ein kurzer Kommentar und so verschwand ich hinter der Tür die mich nur noch wenige Meter von der Toilette trennte. Noch ahnte ich nicht, dass diese Begegnung meinen Abend kolossal verändern sollte. Zurück ging der Weg zu denen die, die letzten Stunden mit mir verbracht hatten. Doch ich stellte fest sie wahren weg. Suchend machte ich mich auf den Weg und landete Umgehend wieder in Marius Armen, so kam es das wir uns nun länger unterhielten. Eigentlich ein ganz netter Mann, vielleicht ein wenig zu alt für mich. Aber nett. Ich lernte just seine Begleitung für diesen Abend kennen, sein Vater und ein Arbeitskollege und wir tranken. Anni hatte ich mittlerweile total vergessen. Das würde mir später noch ziemlich nachhängen.
Um uns aufzuwärmen führte der Weg in die Kneipe, sachte Berührungen von Marius ließen mich ahnen, was er vor hatte, doch ich hatte ein schlechtes Gefühl, denn im vorhinein hatte er mir erzählt, dass sein Ruf nicht der beste wäre. Und genau das beschäftigte mich, einerseits mag ich es, wenn jemand ehrlich ist und gebe nichts auf dummes Geschwätz der anderen, auf der anderen Seite machte ich mir ein wenig sorgen, mich einfach auf einen wildfremden Menschen einzulassen. Aber Hey, ich bin nur einmal jung, rannte mir durch den Kopf. Keinerlei Verpflichtung, was wollte ich mehr. Er küsste mich, es war einer von diesen feuchten Küssen, die ich eigentlich nicht ausstehen kann, wobei ich gelernt habe, dass betrunkene Menschen eh meist sehr feucht küssten und so ließ ich mich auf das Spiel vorerst ein. Doch das Spiel fand rasch ein Ende, als mein ungutes Gefühl mich wieder einholte. Also sprang ich auf und wollte meine Freunde suchen, nur kurz nachdenken. Und traf Niko draußen vor einem der Glühweinstände, die Beziehung zwischen mir und Niko ist etwas schwierig. Ich denke wir mögen uns, wir teilen die gleichen sexuellen Vorlieben, doch nur im Kopf trauen wir uns weiter, als wir in der Realität gehen würden. Niko ist ein attraktiver Mitzwanziger, Rockabilly geprägt und eigentlich nur halb so hart wie er es außen vorgibt. Aber das weiß keiner, nicht mal ich sollte das wissen, doch nach einigen privaten Treffen hatte ich das wohl doch rausbekommen. Und wir tranken, irgendwann brauchte ich aber ruhe, ich hatte schon viel Schwachsinn von mir gegeben, wie das im Alkoholtaumel von mir sicherlich bekannt ist. Ich bad Niko mit mir zu gehen. Nur eine Runde durch den Park, dabei sollte es auch bleiben, kurzes Aufwärmen inklusive. Heute komme ich mir dabei komisch vor, weil ich mich für mein Verhalten schäme, was der Alkohol aus Menschen macht. Ich persönlich bekomme, dann immer eine große Klappe, aber ich weiß nicht, ob die Menschen mich, wie ich es mir bei Niko vorstellen kann, ernst nehmen. Nimmt er mich ernst hat er jetzt sicherlich ein denkbar schlechtes Bild von mir und alle die mit in dieser Runde standen. Dafür entschuldige ich mich aufrichtig und gelobe Besserung.
Marius hatte ich derweil eigentlich für mich gestrichen, das Versteckspiel begann würde ich in seine Finger laufen, hätte ich wohl verloren und genau so geschah es. Ich versprach ihm, mehr widerwillig mit ihm und seinem Vater nach Hause zu fahren, nur kuscheln. Wir Frauen sind uns dieser Aussage durchaus bewusst, nur kuscheln ist wie DVD-Abend, ein bekanntes Synonym für Sex. Meine lieben männlichen Leser, wir sind nicht blöd, wer will schon wenn Mann getrunken hat, nur kuscheln. Niemand. Eigentlich war es an der Zeit die weiße Fahne zu hissen und den Rückzug nach Hause anzutreten, aber da hatte ich die Rechnung ohne Marius gemacht. Den Fluchtgedanken immer noch hegend, rief ich ein Taxi und stieg mit ein. Ich hatte keine Ahnung mehr wie ich mich aus dieser Situation noch retten sollte, also ergab ich mich meinem Schicksal und stieg in einem anderen Ort zusammen mit Marius aus dem Auto und begleitete ihn in seine Wohnung. Schöne Wohnung faszinierend aufgeräumt für einen Mann. Anfangs machte es tatsächlich noch den Eindruck, dass es nur ums kuscheln ginge, aber ich sollte mich nicht irren. Schnell waren wir im Bett verschwunden. Lagen Arm in Arm im Bett und schliefen zügig ein, aber in fremden Betten schläft es sich schlecht. Das weiß wohl jeder und so kam es, dass wir beide bald wieder wach wurden. Aus dem Kuscheln wurde sexuelle Handlung. Gott war mir an diesem Wochenende nicht gnädig, ihr wisst sicher was das heißt, ja ich hatte Besuch und das war Glück im Unglück. Alkohol macht gefügig. Aber ich konnte und wollte auch nicht weiter gehen. Geschickt versuchte ich immer wieder ihn davon abzuhalten in meinen Schritt zu greifen, Frau fühlt sich dabei einfach nicht wohl. Ich versuchte ihn anderweitig zu beglücken. Ein bisschen streicheln an den Richtigen Stellen. Ein geschicktes Mundwerk. Aber das ist nicht immer ganz einfach, wenn man eigentlich schlagskaputt ist und ziemlich unbequem und verdreht im Bett liegt. Es kann die Hölle sein, auch wenn ich nicht zu der Art von Frauen gehöre, die so was generell nicht gerne machen. Um 8 hielt mich nichts mehr im Bett, ich wollte nur noch heim, meine Mutter vermisste mich sicherlich schon und auch so wartete noch genug Arbeit auf mich. Zu viel Arbeit. Widerwillig bewegte sich auch Marius aus dem Bett. Wir waren beide noch lang nicht im Stande Auto zu fahren, er bot mir an ein Taxi zu rufen, doch der Alkohol macht nach einiger Zeit auch mir einen Strich durch die Rechnung. Die Kopfschmerzen waren fast unerträglich und auch die Müdigkeit holte mich schnell wieder ein, bei ihm sah es nicht anders aus, wir ähnelten beide einem Schiff, dass im Unwetter dem Untergang geweiht war und so schliefen wir auf dem Sofa wieder selig ein. Bis 12 Uhr Mittags. Ich wurde wach, sah die Zeit schon nur davon rennen und versuchte vorsichtig Marius dazu zu bewegen mich Richtung Heimat zu bewegen, wirklich begeistert sah er nicht aus, aber er tat wie befohlen und fuhr mich in seinem schicken Auto nach Hause. Ich sage nur so viel zu dem Heimweg. „Willst du meine Nummer?“ ist so eine absurde Frage Jungs. Entweder sagt ihr „ Ich gebe dir meine Nummer, du kannst dich ja mal melden wenn du willst.“ Oder ihr lasst es einfach. Dieser Satz ist so abwertend. Eigentlich sagt er mehr oder minder „Naja ich will ja nicht, dass du dir wie eine Hure vorkommst, also biete ich es dir mal an, aber eigentlich will ich gar nicht, dass du dich bei mir meldest.“ Manchmal macht es dir Wortwahl, auch wenn man mit Restpromille und einem dicken Kater, dabei nicht immer so geschickt sein kann, man sollte es, wenn man nicht will das Frau sich dumm vorkommt. Ich mag Marius, nur kann ich ihn schlecht irgendwas zu ordnen. Er ist nicht wie ein ONS gewesen, eine Affäre daraus aufzubauen, wäre mir nicht lieb. Eine Beziehung, nein, ja, nein, schwierig und nach diesem Satz auch eigentlich nicht mein Ziel. Ich habe seine Nummer, vielleicht werde ich mich melden, ich will ja auch nicht, dass sich jemand von mir verarscht vorkommt. Aber ich bin mir zu unschlüssig. Abschließend sollte ich erwähnen, dass seine Küsse im relativ nüchternem Zustand an Qualität gewonnen haben.

Die Nachrichten die mich von Ines ereilten, bekam ich leider erst als ich dann wider zu hause war und meiner Mutter schuldete ich, eine etwas abgewandelter Art der vergangenen Nacht als Erklärung.

Prinzipiell :

Ich bin nur einmal Jung, aber auch eigentlich niemand für eine Nacht, ich will das nicht sein. Jeden Morgen such ich mir eine dieser vielen Masken aus, die mich über den Tag begleiten sollen, habe ich eine passende gefunden, bleibt sie bestehen. So schizophren das auch klingt. Manchmal wundere ich mich, was ich noch an Persönlichkeiten in mir stecken habe, die ich selber bis dahin nicht gekannt habe.

Marius, falls du das je liest, es war am Ende trotz Zweifeln eine angenehme Nacht mit dir, die ich keines Wegs bereue.

Es tut mir leid, für alle, die ich auf irgendwelchen Wegen belästigt habe.


... Adrenalin
30.11.10 18:24
 


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